Simulation - Dissimulation - Fälschung

Zur Kulturpoetik von Textprofilen
Kolloquium des GFK und des FSP Historische Kulturwissenschaften
8.-10. Juli 2010

 

Aktuelle Hinweise: 

! Raumänderung: Die Tagung wird am Donnerstag nicht wie angekündigt im Deutschen Institut, Philosophicum, 1. Stock, Raum 01-471 stattfinden, sondern im Alten Fakultätssaal wie am Samstag.

! Programmänderungen: Leider muss der Vortrag von André Schallenberg entfallen; das Programm endet deshalb am Freitag bereits um 17 Uhr. Roland Borgards wird nicht am Donnerstag um 15 Uhr sprechen, sondern seinen Vortrag erst am Freitag um 12 Uhr an Stelle von Johannes F. Lehmann halten; der Vortrag von Johannes F. Lehmann wird dafür auf Donnerstag, 15 Uhr vorverlegt.

 

Eine Kulturpoetik hat viele Aspekte, unter denen wir nur drei hervorheben wollen:
– sie versucht bislang isolierte Phänomene wie einerseits ästhetische Theorie, andererseits Soziologie, Sozial-, Mentalitäts- und Kulturgeschichte komplexitätssteigernd aufeinander zu beziehen;
– sie verfolgt mit gleichem Interesse Phänomene der Hochkultur, Populär- und Alltagskultur unter ästhetischen, kulturanthropologischen, wissenspoetischen und medialen Gesichtspunkten. Ihr Beobachtungsinteresse ist zentriert auf Austauschprozesse dieser genannten Kulturbereiche ohne die Formulierung von ästhetischen Differenzqualitäten preiszugeben;
– ihre Zentralfrage ist, unter welchen kulturpoetischen und kulturpolitischen Bedingungen bestimmte poetologische Formationen historisch favorisiert, abgedrängt, tabuisiert, transformiert oder reformuliert werden.

Die triadische Figuration: „Simulation – Dissimulation – Fälschung“ eignet sich nach Meinung der Veranstalter besonders gut kulturpoetische Textprofile zu erkunden. Dafür spricht eine intrikate Verschränkung: Simulations-, Dissimulations- und Fälschungsfragen sind – auf je eigene Weise kulturanthropologisch, performativ und tiefenhermeneutisch – in Verhaltensweisen verankert und zugleich sind sie (seit Plato) ein Grundsatzproblem der Poesie und Poetik.

Es ist zu vermuten, dass zwei Besonderheiten dafür verantwortlich sind, dass „Simulation, Dissimulation, Fälschung“ markante Textprofile schaffen: Sie sind erstens gekennzeichnet durch permanente Arbeit der Umwidmung, d.h. einer Positivierung ihres schlechten Images. Ihre rhetorische und performative Ausrichtung ist zweitens derart von strategischen Fragen der Erreichung bestimmter Ziele geprägt, dass die Umkehrung dieser nach außen gerichteten zu kunstinternen Strategien einen erhöhten Profil- und Profilierungsdruck ergeben. Die Pointe ist, dass es genau in diesem rhetorisch-performativen Feld eine einschlägige poetologische Tradition gibt: „mit höchster Kunst über die Kunstfertigkeit hinwegzutäuschen“ – „tegere artem“: das Kunstversteckspiel könnte als Motto der Tagung gelten.

Verhaltensstrategien und Metamorphosen der Verstellungskunst wurden historisch bislang in Bezug auf Renaissance und Frühe Neuzeit und hier hinsichtlich ihres Charakters als „invasive Hypokrisie“ – gemeint sind Markierungen durch Vortäuschung „schlechter Denkart“, um in Zeiten religiöser oder politischer Verfolgung überleben zu können – erforscht. Besonders aufschlussreich wäre es aber, in jüngere Epochen vorzudringen und kulturpoetische Textprofile aufzuspüren, die Verstellungskünste und Fälschungen nicht mehr aus strategischen Gründen betreiben sondern aus Kunstlust.

Im Kolloquium soll das Thema mit Wissenschaftlern und Doktoranden der Universität Mainz und von außerhalb weitumspannend und brisanzliebend behandelt werden: vom Skandal bis zur poetologisch-subtilen Mystifikation, von der Simulation von Schlichtheit im Dienste einer Volksnähe oder femininer Markierung bis zu Simulations-/Dissimulationsspielen in erotischer oder Kriminalliteratur.

 

 

Organisatorische Informationen:

Konzeption und Planung: Prof. Dr. Bernhard Spies, GFK-Fellow Prof. em. Dr. Günter Oesterle

Koordination und Kontakt: Eva Bös, M. A. ( ); Dr. Kuessi Marius Sohoudé ( )

Programm: > pdf (Vorderseite) > pdf (Rückseite) (Programmänderungen siehe oben)

Tagungsort: Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, Philosophicum, Jakob-Welder-Weg 18; Freitag: Übungsraum des Deutschen Instituts (1. Stock, Raum 01-471); Donnerstag / Samstag: Fakultätssaal

Die Tagung wird finanziert aus Mitteln des GFK.