Arbeitsstelle Schlegel Edition

Erforschung, Präsentation und (digitale) Edition

Projektleiter: Prof. Dr. Ulrich Breuer

Am 1.4.2008 konnte aus Mitteln der Thyssen Stiftung eine Arbeitsstelle Schlegel-Edition eingerichtet werden, die dem Deutschen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz angegliedert ist und deren Fortbestand unter anderem durch den Forschungsschwerpunkt Historische Kulturwissenschaften ermöglicht wurde. Nachdem die DFG im Juli 2012 den Antrag auf Abschluss der Kritischen Friedrich-Schlegel-Ausgabe bewilligt hat, ist die Arbeitsstelle mit Matthias Emrich besetzt, der das bewilligte Editionsprojekt koordinieren wird.

Friedrich Schlegel

Mit Friedrich Schlegel (1772-1829), dem wohl originellsten Kopf der Frühromantik, rücken Entwicklungen der deutschen Literatur- und Kulturgeschichte in den Blick, die über das engere Umfeld Schlegels, insbesondere über den berühmten Romantikerzirkel Jenas, weit hinausgehen. Mit Schlegel verbinden sich bedeutende Stationen der deutschen Literaturgeschichte wie etwa das Leipzig des Rokoko, das Jena der idealistischen Philosophie, das Berlin der preußischen Reformen, das Napoleonische Paris, das Wien der Restauration, sowie eine ganze Galerie bedeutender Persönlichkeiten, angefangen mit dem Bruder August Wilhelm über Figuren wie Wilhelm von Humboldt und Görres bis hin zu Metternich. Auch Schlegels Rolle als Begründer einer modernen Philologie kann schwerlich überschätzt werden. Seine ausgreifenden komparatistischen Studien, sein produktiver Anschluss an die zeitgenössische Philosophie und Ästhetik, seine Konzeption des Werkbegriffs, seine Überlegungen zur Gattungspoetik, zur intensiven Lektüre als Fundament einer systematischen Poetik, zur Sprachtheorie, zum Übersetzen, zur Literaturkritik und Literaturgeschichte und nicht zuletzt zur Edition setzen noch und gerade heute Maßstäbe für die Selbstreflexion der Geisteswissenschaften.

Die Arbeitsstelle Schlegel-Edition

Die Aufgaben der Arbeitsstelle, die (unter Federführung von Prof. Dr. Ulrich Breuer) zunächst mit Frau Dr. Maren Jäger und dann mit Frau Dr. Barbara Otto und Matthias Emrich besetzt war bzw. ist, bestanden zunächst in der Erstellung einer Datenbank, in die sämtliche Hinweise auf Briefe von und an Friedrich und Dorothea Schlegel eingearbeitet wurden. Nach der Auswertung einschlägiger Repositorien und der Kontaktaufnahme mit den besitzenden Institutionen konnten mehrere hundert Briefe in unterschiedlichen Bibliotheken und Archiven digital erfasst werden; im Laufe der Jahre 2009 bis 2012 wurden von allen erreichbaren Autographen Friedrich Schlegels Digitalisate erstellt. Um die Arbeiten mit der nötigen Professionalität vor Ort durchführen zu können, wurde vom Forschungsschwerpunkt Historische Kulturwissenschaften ein mobiles Scan-System der Firma Vestigia, bestückt mit einer digitalen Spiegelreflexkamera, angeschafft, das bereits hervorragende Ergebnisse erbracht hat und seither auch anderen Projekten und Kooperationspartnern des Forschungsschwerpunkts zur Verfügung steht. Die Fotografenmeisterin Monika Gräwe vom Arbeitsbereich Digitale Dokumentation ist mit der Nachbearbeitung der Digitalisate betraut worden. Aktuell koordiniert Matthias Emrich die Arbeiten am DFG-Projekt „Abschluss der Kritischen Friedrich-Schlegel-Ausgabe“. Für dieses Projekt konnten mit Dr. Barbara Otto (Wien), Dr. Hans Dierkes (Niederkassel), Dr. Armin Erlinghagen (Bad Münstereifel), Prof. Dr. Thomas Schirren (Salzburg) und Prof. Dr. Christian Benne (Odense) namhafte Editoren im In- und Ausland gewonnen werden. Die Bandbearbeiter arbeiten mit Editionstools, die vom Trierer Center for Digital Humanities entwickelt werden.

Das Projekt "Friedrich Schlegel Digital"

Es ist geplant, bei der DFG einen weiteren Antrag einzureichen, mit dem das Projekt Friedrich Schlegel Digital umgesetzt werden soll. Das Projekt soll auf der Grundlage der abgeschlossenen Kritischen Friedrich-Schlegel-Ausgabe eine digitale, aber auch in Printform erhältliche historisch-kritische Neuedition der Schriften Friedrich Schlegels und der Briefe von und an Friedrich und Dorothea Schlegel, langfristig auch der Schriften Dorothea Schlegels erstellen. Die neue digitale Schlegel-Ausgabe muss internationalen Maßstäben standhalten und den Benutzeranforderungen verschiedener Niveaus und Disziplinen gerecht werden.

Mehr Informationen zum Projekt finden Sie hier.